Reizdarm

Bereits jeder sechste Deutsche (insgesamt fast 14 Millionen Menschen) leidet unter einem Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom (RDS, Colon irritable, IBS=Irritable bowel syndrome). Man spricht auch von funktionellen Magen-Darm Beschwerden, das heißt der Arzt findet für die vorliegenden Symptome keine Ursache. Woher kommt dieses Phänomen? Ist es das Resultat unserer modernen Lebensweise mit zu viel Streß, veränderten Ernährungsgewohnheiten, Umweltgiften und unreflektiertem Antibiotika-Einsatz an Mensch und Tier?

Unter dem Begriff „Reizdarm“ werden wechselnde Symptome im Magen-Darm-Bereich zusammengefaßt unter denen Betroffene erheblich leiden. Dazu zählen Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Darmgeräusche oder stechende Schmerzen. Häufig wird ein Arzt aufgesucht, der bei einer Darmspiegelung aber keine sichtbaren Veränderungen findet. Obwohl die Beschwerden eine große Beeinträchtigung der Lebensqualität und des Wohlbefindens mit sich bringen, werden Betroffene von der Schulmedizin oft nicht ernst genommen oder in die „Psychoecke“ abgeschoben. Die Diagnose Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom wird gestellt.

Reizdarm und Psyche

Psyche und Darm

Reizdarm und Psyche

Schon Hippocrates, der Vater der Heilkunde, postulierte: „Der Darm ist der Vater aller Trübsal“. Auch der berühmte Ausspruch von Martin Luther: „Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz!“ zeigt, daß der Zusammenhang von Darm und Psyche schon lange bekannt ist. Heut weiß man, daß der Darm ständig über die sogenannte Darm-Hirnachse mit unserem Kopf kommuniziert und diesen auf dortige Mißstände aufmerksam macht. 95 Prozent des Glückshormons Serotonin wird im Darm produziert. Geht es dem Darm nicht gut, fehlt es uns an diesem wichtigen Botenstoff, es schlägt auf unsere Stimmung. Bei Reizdarm Patienten reagiert der Darm zudem überempfindlich, d.h. es werden bereits kleine (Störungs-)Reize als wichtig eingestuft und ans Gehirn weitergeleitet, es kommt zu Reaktionen der Peristaltik und die Stimmung leidet.

Interessanterweise fand bereits Edward Bach, der Entdecker der Bachblüten, der als Arzt und Bakteriologe am Krankenhaus in London tätig war, heraus, daß die Einnahme von Bachblüten eine Auswirkung auf die Zusammensetzung unserer Darmflora hat. Daraus ergibt sich ein Therapieansatz bei Reizdarmsyndrom.

Diagnose Reizdarm

Die Diagnose Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlußdiagnose. Die Reizdarm Patienten leiden unter diversen Beschwerden im Magen-Darm-Trakt wie Bauchschmerzen, Wechsel von Durchfall und Verstopfung, Blähungen oder Völlegefühl und suchen den Arzt auf. Dieser veranlaßt eine Darmspiegelung (Koloskopie) um ernsthafte Krankheiten auszuschließen. Ist bei der Dickdarmspiegelung keine chronisch entzündliche Darmerkrankung wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn, oder Darmkrebs (Kolorektales Karzinom) feststellbar, wird die Diagnose „Reizdarm“ bzw. „Reizdarmsyndrom“ gestellt. Viele Ärzte vermuten psychische Hintergründe für die Beschwerden, häufig fehlt es aber in den Arztpraxen an Zeit, sich mit den Ursachen für die komplexe Symptomatik auseinanderzusetzen, weswegen viele Betroffene sich selbst überlassen werden. Wenn der Leidensdruck durch Blähungen, Durchfall und Co. zu groß wird, suchen viele den Weg zum Heilpraktiker.

In der Naturheilkunde kommen noch andere Möglichkeiten der Diagnose für Magen-Darmbeschwerden zum Einsatz. Dazu zählen under anderem der kinesiologische Muskeltest und die Bioresonanz und naturheilkundliche Laboruntersuchungen von Stuhl oder Blut zur Aufdeckung von Entzündungsvorgängen, einer Dysbiose der Darmflora, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nährstoffmängeln und vielem mehr.

Symptome bei Reizdarm bzw. Reizdarmsyndrom

Die Symptome eines Reizdarms, die den Betroffenen meist große Unannehmlichkeiten bereiten, reichen von Bauchkrämpfen, Verstopfung, Durchfall, Darmwinden bis hin zu Völlegefühl und stechenden Schmerzen. Die Schulmedizin schließt bei diesen Beschwerden zunächst ernsthafte Erkrankungen wie chronisch entzündliche Darmerkrankungen und Darmkrebs aus und findet mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln keine Ursachen für die Symptome.

Mögliche Ursachen für einen Reizdarm

Eine bestimmte Ursache für den Reizdarm gibt es nicht. Deswegen gibt es auch nicht „die“ Behandlung für ein Reizdarmsyndrom. Die Ursachen für einen Reizdarm sind komplex, es lohnt sich aber nachzuforschen. Eine einseitige Ernährung mit zu viel Fett und Zucker und zu wenig Ballaststoffen spielt dabei sicher eine große Rolle. Reizdarm Patienten leiden häufig unter Nahrungsmittelunverträglichkeiten (dazu gehören auch die Fructose- und Laktoseintoleranz), einer veränderten Darmflora, einer erhöhten Darmdurchlässigkeit und Streß. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung sollte man all diesen Faktoren Beachtung schenken, denn sie können Ursachen für Symptome des Reizdarms wie Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung oder Völlegefühl sein bzw. verhindern, dass sich der gereizte Darm erholen kann.

Nahrungsmittelallergien oder -unverträglichkeiten lassen sich durch eine Blut- bzw. Stuhluntersuchung feststellen. Häufig sind hierbei Reaktionen auf Weizen (Stichwort Turboweizen), Kuhmilch, Hühnerei und Gluten. Es gibt Sofortreaktionen im Sinne einer Allergie, Reaktionen können aber auch verzögert innerhalb von 24 Stunden nach Verzehr der nicht vertragenen Lebensmittel auftreten (sog. IgG4-Reaktionen). Wenn man ohne Laboruntersuchung rauskriegen möchte, was man nicht verträgt, kann man durch Auslaßversuche herausfinden, ob es einem besser geht, wenn man beispielsweise auf Kuhmilchprodukte oder glutenhaltige Getreidesorten verzichtet. Häufig treten verschiedene Unverträglichkeiten zusammen auf und führen zu der Dauerreizung der Darmschleimhaut, die so nicht abheilen kann.

Tatsächlich finden sich bei vielen Reizdarm-Betroffenen mikroskopische Veränderungen (Mikroentzündungen) der Darmschleimhaut, die unter dem Mikroskop, aber auch bei einer Stuhluntersuchung im Labor anhand bestimmter Parameter feststellbar sind. Durch die entzündlichen Vorgänge an der Darmschleimhaut entsteht ein löchriger Darm (leaky gut), die Darmbarriere ist gestört. Eine intakte Darmbarriere ist aber wichtig, um das Eindringen von Krankheitserregern, Toxinen und allergieauslösenden Eiweißen in die Blutbahn und somit den Organismus zu verhindern. Andernfalls wird das nachgeschaltete Immunsystem überfordert, Toxine und Allergene werden an anderen Körperstellen abgelagert und können zu Schmerzen führen und die Entstehung anderen Krankheiten wie Migräne, Autoimmun-Krankheiten wie Rheuma, Hashimoto-Thyreoiditis und Multipler Sklerose begünstigen. Zu den Krankheiten, die infolge einer geschädigten Darmbarriere führen können, gehören auch Allergien (Heuschnupfen, Asthma, Neurodermitis) und (weitere) Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Aufgrund der enormen Bedeutung dieser wichtig(st)en Grenze in unserem Körper sollte im Bedarfsfall unbedingt eine fachkundige Behandlung der Darmschleimhaut erfolgen. Häufig verschwinden die Symptome des Reizdarms wieder. Betroffene, die unter Umständen schon jahrelang unter häufigem Durchfall, Verstopfung, Bauchschmerzen und Blähungen gelitten haben, gewinnen ihre Lebensfreude wieder.

Darm Stuhluntersuchung

Stuhluntersuchung im Labor

Beim Reizdarmsyndrom findet man zudem bei einer Stuhluntersuchung oft eine ungünstige Zusammensetzung der Darmflora, die für die Beschwerden verantwortlich ist. Oft sind Milchsäure bildende Bakterien wie Lactobazillen und Bifidobakterien unterrepräsentiert. Daraus resultiert eine Verschiebung des ph-Werts in den basischen Bereich, was wiederum die Vermehrung von pathogenen Keimen wie Clostridien, Salmonellen, Klebsiellen, u.a. sowie das Überhandnehmen von Pilzen wie Candida albicans begünstigt.

Faktoren, die unsere nützlichen, Milchsäure bildenden Darmmitbewohner schädigen, sind industriell hergestellte Nahrungsmittel und darin enthaltene Konservierungsstoffe, (Dis-)Streß, Unregelmäßigkeiten in der Lebensführung, Antibiotika, Schadstoffe aus Luft und Trinkwasser, Inhaltsstoffe bestimmter Kosmetika (fluorierte Zahnpasta), mangelnde Erholung, Bewegungsmangel aber auch „übertriebene Sportlichkeit“, u.v.m.

(Dauer-)Streß ist ein Darmflorakiller. Unsere Verdauung braucht Ruhe und funktioniert im Entspannungsmodus besser als im „Kampf- und Fluchtmodus“. Stehen wir unter Streß, wird die Durchblutung unserer Verdauungsorgane gedrosselt und die Energie dem Gehirn und anderen lebenswichtigen Organen zugeführt, bis die Bedrohung bzw. das Problem, das uns in Streß versetzt gelöst wurde. Da der moderne Mensch ständig auf Leistungsmaximierung aus ist und vielen sonstigen Stressoren (z.B. Mobilfunk, WLAN, Rhythmusverlust, angstmachenden Nachrichten in Radio und Fernsehen) ausgesetzt ist, kommt die Entspannung, Lebensfreude und der Genuss zu kurz. Der Darm reagiert beleidigt.

Der Darm und seine 100 Billionen Einwohner- ein unterschätztes Organ

Wenn man einen sensiblen Darm (Reizdarm) hat und herausfinden möchte, wie man diesen stärken kann, lohnt es sich, einen Einblick in seinen Aufbau, seine Funktion und die darin lebenden Kleinstlebewesen (Bakterien) zu gewinnen.

Im Dünndarm mit der Länge von 4-6 Metern findet mithilfe von Enzymen aus der Bauchspeicheldrüse die Zerlegung von unserem Essen auf Molekülgröße statt, damit die darin enthaltenen Nähr- und Vitalstoffe unseren Zellen zur Verfügung gestellt werden können. Mit nicht Verwertbarem, Überschüssigem und auch schlecht Gekautem, beschäftigt sich unser Dickdarm, wo 90 % aller Darmbakterien leben. Die dort angesiedelten Keime bringen eine enorme Stoffwechselleistung für ihren Wirt und stellen u.a. Vitamine, Hormone und gesundheitsfördernde kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat her. Der Darm ist unser wichtigstes immunologisches Organ und schützt uns vor pathogenen Keimen und Toxinen, die mit der Nahrung in den Darm gelangen. Seine Resorptionsfläche schafft es durch eine Oberflächenvergrößerung durch Falten, Zotten, Krypten und feine Mikrovilli auf 400-500 qm. Damit die Aufnahme der Nährstoffe funktioniert, Gifte und unerwünschte Stoffe aber nicht in unsere Blutbahn gelangen können, gibt es eine Art „Türsteher“, das sind Proteinverbindungen zwischen den Darmzellen (tight junctions), die sehr genau prüfen, ob ein Stoff die Darm-Blutschranke passieren darf. Das Protein Zonulin reguliert den gezielten Durchgang. Ist dieses erhöht, funktioniert diese wichtige „Darmbarriere“ nicht mehr. Bei Reizdarm Patienten findet man oft erhöhte Zonulin-Werte im Stuhl oder Serum. Weizen, Streß und große körperliche Anstrengung (Leistungssport) können ebenso die Zonulin-Werte erhöhen und zu einem „leaky gut“ führen.

Der Begriff „Darmflora“ stammt noch aus der Zeit, als die Kleinstlebewesen, die unseren Darm bevölkern, noch dem Pflanzenreich zugeordnet wurden. Inzwischen nennt man die Gesamtheit aller im Darm lebenden Mikroorganismen Darmmikrobiom oder Mikrobiota. Die ersten Wissenschaftler, die sich mit der Mikrobiologie auseinandersetzten, waren die Franzosen Louis Pasteur (1822-1895) und Claude Bernard (1813-1878), von letzterem stammt der bis heute gültige Satz: „Der Keim ist nichts, das Milieu ist alles“. 1885 wurde erstmals das „Escheria coli“-Bakterium isoliert. Dieser Satz hat insbesondere in der Naturheilkunde eine große Bedeutung.

1928 entdeckte Prof. Dr. Alexander Fleming das Penicillin. Seit 1940 wird Penicillin therapeutisch angewandt und viele weitere Antibiotika folgten nach. Je mehr die Wichtigkeit unseres Darmmikrobioms für die Gesundheit und die Schädigung desselben durch Antibiotika ins Bewusstsein der Menschen rückt, desto vorsichtiger und zielgerichteter werden diese Medikamente in den meisten Arztpraxen inzwischen eingesetzt. Dazu eine Buchempfehlung: „Antibiotika Overkill- so entstehen die modernen Seuchen“ von Martin Blaser.

Jeder Mensch beherbergt 100 Billionen (!) Bakterien, das sind rund zehn mal so viele Bakterien als der Mensch Körperzellen besitzt, wovon die meisten im Dickdarm leben

Es gibt insgesamt ca. 1500 Arten humaner Keime, wovon jeder Mensch 400-700 Arten in sich trägt. Je größer die Artenvielfalt in unserem Körper, umso besser ist der Gesundheitszustand eines Menschen. Im Laufe des Lebens nimmt diese Diversität ab. Bei Hundertjährigen, die körperlich und geistig fit sind, hat man eine hohe Diversität in der Darmflora festgestellt.

Sehr lesenswertes und zudem sehr unterhaltsames Buch zum Thema: „Darm mit Charme“ von Giulia Enders. Hier das Video zum Hörbuch.

Die kindliche Entwicklung der Darmflora

Die erste Besiedelung unseres Darmes erfolgt bei und nach der Geburt. Die Babies schlucken dabei die mütterlichen Keime aus dem Geburtskanal und diese besiedeln den bis dahin sterilen Darm. Durch das Stillen bekommen die Kleinen dann direkt Lactobazillen und Bifidobakterien aus dem mütterlichen Darm (!) geliefert (diese wandern mit Hilfe von sog. dentritischen Zellen aus dem Darmrohr der stillenden Frau in die Brust). Diese Bakterien helfen nicht nur bei der Verwertung von Muttermilch, sondern schützen das Kind in den ersten Lebensmonaten vor Infektionen, solange es noch über kein eigenes Immunsystem verfügt (Nestschutz). Da diese erste „Impfung“ mit den schützenden Keimen der Scheidenflora der Mutter bei einem Kaiserschnitt ausbleibt, haben Kaiserschnittbabies ein erhöhtes Risiko, später an Allergien und anderen Krankheiten zu erkranken. Die grundlegende Prägung unseres bakteriellen Kolonisationsmusters ist im Wesentlichen mit dem 3. Lebensjahr abgeschlossen. Dabei ist es von Vorteil, wenn die Kinder in keiner sterilen Umgebung aufwachsen, sondern auch mit Tieren, Erde und ähnlichem (z.B. am Bauernhof) in Kontakt kommen, weil ihr Immunsystem auf diese Art trainiert wird.

Im Falle einer Kaiserschnittentbindung sollte man dem Neugeborenen Bakterien der mütterlichen Vaginalflora zuführen und das Kind in den ersten Monaten mit einem Probiotikum unterstützen.

Therapie bei Reizdarmsyndrom

Die Behandlung bei Reizdarm setzt je nach Krankheitsursache an verschiedenen Hebeln an. Allem voran spielt die Ernährung eine große Rolle.

Im Falle einer Nahrungsmittelunverträglichkeit sollte auf die nicht vertragenen Lebensmittel je nach Schweregrad 6 Wochen bis 3 Monate verzichtet werden. Eine Laboruntersuchung auf IgG4 Antikörper gegen Nahrungsmittel gibt Aufschluss über das Vorhandensein und das Ausmass der Unverträglichkeit. In vielen Naturheilpraxen werden Unverträglichkeiten auch kinesiologisch getestet. Diese beiden Methoden sind allerdings von der Schulmedizin nicht anerkannt und die Kosten werden in der Regel von den Krankenkassen nicht übernommen. Die Erfahrung zeigt aber, dass es vielen Betroffenen beim Weglassen der getesteten Nahrungsmittel besser geht.

Hat eine Laboruntersuchung einen erhöhten Zonulinewert ergeben, gibt es Möglichkeiten, diesen mithilfe von antientzündlich wirkenden Probiotika zu senken und so die gesunde Darmbarriere wieder herzustellen.

Streß zu reduzieren und nach Möglichkeiten zu suchen, wie man seine Batterien wieder aufladen kann und was einem wirklich gut tut, ist ebenso vielversprechend. Ehrlichkeit zu sich selbst ist der erste Schritt, um aus einer chronisch unbefriedigenden Situation wieder heraus zu bewegen.

Streßreduktion gelingt nach und nach, indem man sich erst einmal bewußt macht, was einem nicht gut tut. Gespräche können dabei unterstützen, selbstschädigende Verhaltensweisen aufzudecken und nach Möglichkeiten zu suchen, achtsamer mit sich selbst (und mit seinem stress- empfindlichen Darm) umzugehen. Was brauche ich eigentlich? Tun mir Nahrungsmittel wie Pizza und Co, die mir einen schnellen Genuss verschaffen, wirklich gut? Was wünscht sich mein „Bauch“?

Oft zeigt sich bei einem Menschen, der an einem Reizdarmsyndrom leidet, auch eine psychische Überempfindlichkeit (im Sinne eines psycho-somatischen Ausdrucks), diverse Ängste können vorhanden sein. Wird die seelische Überempfindlichkeit behandelt, können sich auch körperliche Symptome bessern. Edward Bach beobachtete und beschreibt eine Verbesserung von körperlichen Beschwerden bei seinen Patienten nach der Einnahme von Bachblüten. Umgekehrt bessert sich oft die psychische Resilienz, bei einem körperorientierten Therapieansatz wie der Darmsanierung mittels Probiotika und Vitalstoffen. Dies erklärt sich durch die enge Verknüpfung zwischen unserem Gehirn und des Darms über die Darm-Hirnachse.

Reizdarm Behandlung mit Medikamenten

Kamille

Hat ein Betroffener die Diagnose „Reizdarm“ oder „Reizdarmsyndrom“, werden Medikamente gesucht, die die Symptome lindern. Bei der Reizdarm Behandlung werden neben verschreibungspflichtigen Substanzen auch naturheilkundliche Medikamente wie Phytotherapeutika (Heilpflanzen) mit krampflösenden, entzündungshemmenden und blähungswidrigen Eigenschaften eingesetzt. Infrage kommende Heilpflanzen sind Kamille, Salbei, Engelwurz, Lavendel, der gelbe Enzian, die Melisse und vor allem Nahrungsergänzungsmittel, zu denen auch Präbiotika und Probiotika gehören, können die Symptome bessern.

Eine ganzheitliche Darmsanierung, die Ursachen für Blähungen, Durchfall und Co. berücksichtigt, ist empfehlenswert. Bei einer geschädigten Darmschleimhaut ist auch immer an einen möglichen Zinkmangel zu denken und dieser auszugleichen.

Engelwurz

Besteht eine ungünstige Zusammensetzung der Darmbakterien, kann man den Bakterienwald der gesundheitsfördernden Keime mit geeigneten Probiotika (pro bios= für das Leben) wieder aufforsten. Haben wir genügend „gute“ Bakterien wie die Milchsäure bildenden Lactobazillen und Bifidobakterien in unserem Darm, sind sozusagen alle Parkplätze besetzt und „Störenfriede“ können nicht mehr so leicht andocken und die Darmschleimhaut reizen. Auch Joghurt enthält gesunde Milchsäurekeime, die das Milieu im Darm verbessern. Allerdings können sich diese Joghurtkeime im menschlichen Darm nicht ansiedeln und verlassen uns nach 2 Tagen wieder.

Durch eine ganzheitliche Darmsanierung lassen sich die Symptome gezielt lindern oder beseitigen, indem zunächst die Ursachen für das Reizdarmsyndrom erforscht werden und danach gezielt und unter aktiver Mitwirkung des Betroffenen behandelt wird. Dadurch kann verloren gegangene Lebensqualität zurück erobert werden.

Ernährung bei Reizdarm

Wenn es um Darmgesundheit geht, spielt die Ernährung naturgemäß eine große Rolle. Man weiß inzwischen sehr genau, daß eine hohe Artenvielfalt an Mikroben im menschlichen Körper mit einer guten Gesundheit einhergeht. Daher nützen insbesondere bei Beschwerden des Magen-Darmtrakts alle Maßnahmen, die das Leben des bakteriellen Mikrokosmos in uns fördern bzw. schonen. Tipps für Reizdarm Geplagte: Essen Sie in Ruhe und mit Genuß, möglichst frisch, abwechslungsreich, bunt und vor allem ballaststoffreich. Ballaststoffe dienen als „Futter“ für die Säuerungsflora und vor allem für die Bakterien, die kurzkettige Fettsäuren wie Butyrat bilden und für eine gesunde Schleimschicht im ganzen Darmrohr sorgen. Diese dünne Schleimschicht trennt den Bereich der Bakterien, Allergenen, mitgeschluckten Giftstoffen, u.a. vom Menschen, sodass viele Giftstoffe, potentiell allergieauslösende Stoffe u.v.m. von unserem Blutkreislauf ferngehalten werden und nur kleine Nährstoffmoleküle die Darmschranke überwinden können.

Ballaststoffe sind in Vollkorngetreide, Gemüse, Leinsamen, Obstschalen reichlich enthalten. Auch Flohsamen sind nützliche Schleimbildner und helfen insbesondere bei Verstopfung und übergangsweise, bis die schleimfördernden Bakterien sich wieder erholt haben.

Milchsauer vergorene Lebensmittel wie Sauerkraut, Joghurt und Co. helfen ebenso, ein saures Milieu im Dickdarm zu schaffen, bei dem krankmachende Keime keine Chance haben, sich zu vermehren und Reizungen zu verursachen.

Verzichtet werden sollte möglichst auf Antibiotika, Impfungen, Farb- und Konservierungsstoffe, Zucker, Alkohol sowie auf antibakterielle Mundspülungen, Schmerzmittel und andere Medikamente und zu fettes Essen. Diese Stoffe schädigen bekanntermaßen das Leben im Darm, zum Teil nachhaltig. Essen Sie regelmäßig Leinöl und (schadstoffgereinigtes) Fischöl (z.B. Omega-3-total), um den Bedarf an Omega-3-Fettsäuren zu sichern. Diese wirken entzündungshemmend. Kräuterauszüge mit bitteren Pflanzen (z.B. Bitterkraft) verbessern ebenso das Milieu und den Säftefluß im Magen-Darmtrakt, regen die Peristaltik an und unterstützen die Leber.

Reizdarm-Patienten profitieren von einer Ernährung, die schleimhautreizende Stoffe wie Pfeffer, Chili, Kaffee minimiert. Ebenso sollte man auf industriell hergestellte Nahrungsmittel und die darin enthaltenen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker verzichten, weil diese einen ungünstigen Einfluß auf unsere Darmflora ausüben.

Durch ein Ernährungs-Tagebuch und Auslaßversuche kann festgestellt werden, welche Nahrungsmittel nicht vertragen werden bzw. Symptome wie Blähungen, Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen verursachen. Dabei können Reaktionen bis zu zwei Tage nach dem Verzehr der Nahrungsmittel auftreten.

Insbesondere ein Auslaßversuch mit Fructose oder Laktose sollte versucht werden, da eine Fructose- oder Laktoseintoleranz zu den typischen Reizdarm Beschwerden wie Blähungen, Durchfall und Spasmen (Krämpfen) der Darmmuskulatur führt.

Ich berate Sie gerne in meiner Praxis, welche Therapie bei Reizdarm oder Reizdarmsyndrom für Sie in Frage kommt.